Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten 2026
veranstaltet von der GALERIE3
sprachlos
Ira Grünberger, Maria Hummer, Paula Hummer, Raul Lile, Leonie Marcella Pirker, Verena Walzl
Eröffnung & Preisverleihung: Mittwoch, 17. Juni 2026 – 19 Uhr
Ausstellungsdauer: 18. Juni – 27. Juni 2026
GALERIE3 im Künstlerhaus Klagenfurt
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Verena Walzl gewinnt den Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten 2026!
Auf dem zweiten Platz folgt Leonie Marcella Pirker für den Fundermax-Preis, Raul Lile erhält als Drittgereihter den Wietersdorfer-Preis.
Sprachlos, so zumindest das Thema des diesjährigen Bewerbs: Die sechs nominierten Nachwuchspositionen Ira Grünberger, Maria Hummer, Paula Hummer, Raul Lile, Leonie Marcella Pirker und Verena Walzl zeigen mit ihren Einreichungen eindrücklich, wie junge Kunst aus Kärnten doch vielfältigen und starken Ausdruck findet. In einer gemeinsamen Ausstellung, die in dieser Form zum dritten Mal von der GALERIE3 veranstaltet wird, begegnen wir Positionen, die uns unterschiedlichste künstlerische Techniken und Praktiken zeitgenössischer Kunst vor Augen führen. Dabei zeigt sich, dass Kunst auch in Zeiten der Sprachlosigkeit viele Möglichkeiten der Artikulation bietet – nicht zuletzt möchte sie auch unseren eigenen Sprachverlust anprangern.
Inmitten der Ausstellung der Bewerbsarbeiten im Hauptraum des Künstlerhauses Klagenfurt fand am Dienstag eine intensive Jurysitzung statt. Alles andere als sprachlos waren hier auch die acht Jurymitglieder bei der Bewertung und Reihung der Positionen. Dieser Aufgabe widmeten sich Nike Dreyer (Phileas), Michael Huber (Kurier), Irina Lino (Kronen Zeitung), Michaela Monschein (ORF Kärnten), Tina Teufel (Museum der Moderne Salzburg), Paula Watzl (Parnass), Christine Wetzliger-Grundnig(Museum Moderner Kunst Kärnten, MMKK) und Alina Zeichen (UNIKUM). Nach zwei Bewertungsrunden fiel schlussendliche eine Entscheidung, die am Mittwochabend im Zuge der Ausstellungseröffnung veröffentlich wurde.
Verena Walzl (*1987, Wolfsberg) wurde mit dem Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten ausgezeichnet. Ihre Arbeit „Once I lost my voice imitating myself“ überzeugte die Jury auf vielen Ebenen. Ihre mehrteilige Installation, die sowohl einen Spiegel-Paravent, einen Bronzeguss als auch Drucksorten umfasst, widmet sich der Imitation und macht die Betrachtenden selbst zu Sprachlosen. „Stimmverlust wird zum Resultat eines Verfahrens aus Wiederholung, Nachahmung und Training, das in Entfremdung umschlägt“ – so die Künstlerin über ihre Arbeit. Die eigne Stimme wird hier als zentraler Aspekt von Authentizität verhandelt. Wann imitieren wir? Wann sprechen wir für uns selbst? Ein Blick in den Spiegel triggert im wahrsten Sinne die Selbstreflexion. Die in Bronze gegossene Spottdrossel sowie die inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser Meisterin der Imitation unterstreichen die Aussage des Werks und lässt doch manche Fragen offen.
„“Once I Lost My Voice Imitating Myself“ nennt sich die dreiteilige Installation von Verena Walzl. Eine sehr komplexe Interpretation des diesjährigen Themas „sprachlos“. Im Spiegel-Paravent ist auch der Titel zu lesen. Dahinter steckt jedoch viel mehr als nur ein schicker Slogan. Es kann tatsächlich zum Verlust der Stimme, also zur Sprachlosigkeit kommen, wenn man versucht, eine unnatürliche, übertriebene Persönlichkeit darzustellen. Auch ein Kommentar also zu unserer medial vermittelten Welt mit all ihren Influencerinnen und Influencern, die meist Rollen spielen, ihr wahres Gesicht und damit auch ihre wahre Sprache verbergen. Weiter gedacht handelt es sich dabei um eine besondere Form der Sprachlosigkeit.
Ein sehr kluger und witziger Kommentar ist daher die Spottdrossel, die von der Decke hängt und auch im Spiegel zu sehen ist. Diese Spottdrossel ist ein Sperlingsvogel, der vor allem in Nordamerika beheimatet ist. (…)
Ergänzt wird Verena Walzls Arbeit durch ein Künstlerinnenbuch. Hier ist das Foto eines Mannes zu sehen, der wohl im 19. Jahrhundert Vogelstimmen imitiert hat. Damit schließt sich der Kreis ein weiteres Mal. (…)
Die Darstellung der Spottdrossel an sich ist ein politisches und gesellschaftspolitisches Statement. Sie hängt, wie viele von uns, übertrieben gesagt, an der Kette und fliegt nur in dieser Momentaufnahme. Also welchen Handlungsspielraum hat dieser Vogel, haben wir? Wollen wir wirklich weiter sprachlos bleiben und uns mit Imitationen zufrieden geben?“
Zitat: Tina Teufel, Museum der Moderne Salzburg & Michaela Monschein, ORF Kärnten
Der Nachwuchspreis Bildende Kunst Kärnten(5.000 €) wurde dieses Jahr von Kulturreferentin LHStv.in Gaby Schaunig an die Gewinnerin überreicht: „Nachwuchsförderung ist eine der wichtigsten Investitionen in die Zukunft unserer Kunst- und Kulturlandschaft. Kärnten verfügt über eine große Tradition in der bildenden Kunst. Die heute nominierten und prämierten Künstlerinnen und Künstler zeigen eindrucksvoll, dass diese Tradition lebendig ist und mit neuen Perspektiven und Ausdrucksformen fortgeschrieben wird.“
Besonderer Dank gilt an dieser Stelle dem Land Kärnten, das zusätzlich zur zentralen Unterstützung dieses Nachwuchspreises erstmal auch ein Produktionsbudget in Höhe von 500 € für jede:n der sechs Nominierten zur Verfügung gestellt hat.
Leonie Marcella Pirker (*2002, Wien) erhielt für ihre fünfteilige textile Arbeit COIL (A collection of notes which I have yet to be read) den zweiten Preis (3.000 €), der von Fundermax gesponsert und übergeben wurde: „Der Nachwuchspreis Bildende Kunst zeigt, welche gestalterische Kraft aus Kärnten kommt. Das passt zu Fundermax: Wir haben unsere Wurzeln in Kärnten und verbinden Material, Präzision und Gestaltung in unserer täglichen Arbeit“, – so Gernot Schöbitz, Geschäftsführer von Fundermax.
Der Jury war die semantische Verbindung von Text und Textilem aufgefallen, die in den fünf Trikografien aufgegriffen wurde und inhaltlich – dem Titel entsprechend – auf eine Ringelbuchbindung verweisen. Digital verdichtete Zeichnungen werden hier in Tapisserien transformiert „in denen sich zeichnerische und textile Logiken ineinander verschränken“, so die Künstlerin.
„Die Arbeiten von Leonie Marcella Pirker verbinden eine unmittelbare sinnliche Qualität mit einer hohen Dichte aus Anspielungen und produktiven Unsicherheiten. Die gestrickten Objekte führen uns mit ihrer Strick- und Rasterstruktur in den Zwischenraum von Textil und Text, Handwerk und Maschinenarbeit. Sie lassen an Pixelgrafiken (inklusive kleiner Fehler oder „Glitches“) denken, spielen aber – nicht zuletzt durch die Form des Ringbuchblocks – auch auf Handzeichnungen, Schrift oder Gekritzel an.
Die Anmutung ist die eines Zeichensystems jenseits der Sprache und Schrift, die aber vielleicht von anderen Entitäten (Maschinen?) gelesen werden könnte. Das lässt die Werke sehr gegenwärtig erscheinen – und gibt dem Gedanken Auftrieb, dass das Sprachlose auch andere Wege kennt, um zu kommunizieren.“
Zitat: Michael Huber, Kurier
Raul Lile (*2000, Villach) überzeugte mit einer großformatigen Malerei, die zum Schauplatz eines Traumbildes, einer Erinnerung wird. Das „Echo“, so auch der Titel der Arbeit, wird hier zum Schatten der Sprache. Wir sehen eine Szenerie, die sich bereits in Auflösung befindet und uns so ein suggestives Gefühl der Sehnsucht vermitteln möchte. „Letztendlich knüpft das Werk an Rainer Maria Rilkes Philosophie des Unsagbaren an und zeigt, dass tiefe menschliche Erfahrungen außerhalb der Sprache existieren.“, so Lile.
„Die einzige klassische und noch dazu sehr großflächige Malerei in diesem Wettbewerb hat die Jury mit ihrem Kontrast aus der harten Kartierung der schwarzen Fensterrahmen und dem weichen Glühen der Berge überzeugt; die flüssigen Lasuren und verdünnten Farben sind in einfachen Zügen, fast sparsam aufgetragen. Gerade dieses Einfache verleiht dem Bild eine Tiefe, die nicht räumlich ist, sondern sich erst in der Vorstellungskraft der Betrachtenden entwickelt.
Die Perspektive dieses Bildes ist inspiriert von Filmeinstellungen, von Spagetti-Western von Sergio Leone, wie die verschwommenen Cowboy-Figuren im Vordergrund verdeutlichen und auch das Spiel mit dem harten Rahmen. Auch ich musste an einen Film von Thomas Heise aus dem Jahr 2019 denken: “Heimat ist ein Raum aus Zeit”. Heimat ist ein Raum aus Zeit bedeutet, dass die Realität einer Ortsverbundenheit eigentlich nur aus Erinnerungen besteht und manchmal auch erst nachträglich bewusst wird. Das ist sprachlich nicht zu beschreiben und so steht dieses Bild auch für die Geisterhaftigkeit von Erinnerung an sich. (…)
Und auch ohne, dass es sprachlich vermittelt werden kann, sehen wir die Geister in Form der weißen Linien, die nicht wirklich da sind, und trotzdem über allem liegen – Echos aus einer Vergangenheit oder gar einer Wunschfantasie, die wir nicht mehr rational erkennen, sondern die nur noch ein seelischer Schatten sind. Das ist der große Trumpf der Kunst über die Sprache: dass sie diese zutiefst menschliche Erfahrung in einer Momentaufnahme zeigen kann und nicht der linearen Ordnung der Sprache folgen muss. Wir gratulieren Raul Lile herzlich zum dritten Platz.“
Zitat: Nike Dreyer, Phileas – The Austrian office for contemporary art
Der Preis wurde ihm dafür von Christina Fromme-Knoch, Eigentümervertreterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Wietersdorfer Gruppe, überreicht: „Der Nachwuchspreis für bildende Kunst Kärnten macht Talente sichtbar, gibt ihnen Anerkennung und ermutigt sie auf ihrem künstlerischen Weg. Um Talente und deren Förderung geht es auch in der Wietersdorfer Gruppe, genauso wie um Perspektiven und die Zukunft. Denn die Kunst ist die Sprache, mit der eine Gesellschaft ihre Zukunft denkt. Die Förderung von jungen Künstlerinnen und Künstlern ist uns ein besonderes Anliegen, weil damit neue Perspektiven eröffnet und nachhaltig unsere Gesellschaft bereichert wird.“
Die Ausstellung, die ebenfalls Werke der anderen Nominierten Ira Grünberger, Maria Hummer und Paula Hummer präsentiert, ist in den Nebenräumen des Künstlerhauses durch weitere Arbeiten aller sechs Nominierten ergänzt und nun für zehn Tage bei freiem Eintritt zu sehen. In der Kleinen Galerie ist zudem eine Schau der Vorjahresgewinner:innen zu sehen: Nanna Kaiser, Angelus Schnabl und Kristin Wadlig zeigen dort, wie sich ihre Kunst im letzten Jahr weiterentwickelt hat.
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GALERIE3 im Künstlerhaus Klagenfurt
Goethepark 1, 9020 Klagenfurt
Di – Fr von 12 bis 18 Uhr | Sa 10 bis 14 Uhr