Hausfrauendenkmal reloaded - Margot Pilz
(Werkabbildung: Katalog 2, ab S. 108)
Katalog 2 – Margot Pilz: Meilensteine/Milestones (2016)

„[…] Das Werk [Hausfrauendenkmal] machte das Häusliche öffentlich, das Persönliche politisch und das Unsichtbare offensichtlich. Es erzählte von der Realität, mit der Hausfrauen konfrontiert sind, von der gesellschaftsspezifischen Arbeitsteilung und von der fehlenden Anerkennung häuslicher Arbeit. Die Installation wirkte auf den ersten Blick wie ein gigantischer Umhang, der einen Leerraum umhüllte. An einem Holzpfosten waren mehrere Lagen – zum Teil zusammengeflickter – weißer Leintücher übereinander befestigt. Darüber hing ein kleines Tischtuch an einer Schnur von einem Baum, das bei der Einweihung der Arbeit hochgezogen wurde. In den Betttüchern aus zweiter Hand, die die Künstlerin verwendete, hatten zuvor Menschen geschlafen, sich geliebt, waren geborgen worden oder vielleicht gestorben. Das gebrauchte Bettzeug repräsentierte also den gesamten Lebenszyklus: von der Fortpflanzung über die Fürsorge bis hin zu Ritualen, die für alle Menschen gleich sind – Geburt, Liebe, Schlaf, Tod –, deren Aufrechterhaltung aber immer noch hauptsächlich an den Frauen hängen bleibt. Die Skulptur war eine Ode an Intimität, Nähe, Liebe, Pflege – und dann allen reproduktiven Gesten die, in Leintüchern vollzogen werden. […]“
Anne Fauchert, In: Selbstauslöserin. Margot Pilz. Katalog zur Ausstellung. Kunst Halle Krems. art edition. Weitra: Bibliothek der Provinz 2021. S. 33.

„[…] Meist wird es [das Werk von Margot Pilz] im Kontext feministischer Kunst betrachtet, das war auch, was mich zunächst interessierte: Installationen, wie das Hausfrauendenkmal (1979) […] wiesen, formal und künstlerisch ihrer Zeit voraus, auf die – auch 2021 noch bestehenden – Schieflagen in Care- und Erwerbsarbeit hin. […]“
Nina Schedlmayer, In: In: Selbstauslöserin. Margot Pilz. Katalog zur Ausstellung. Kunst Halle Krems. art edition. Weitra: Bibliothek der Provinz 2021. S. 101.

„[…] 1979 begleitete sie die IntAkt-Künstlerinnen zum ‚steirischen herbst‘ nach Graz, mit der Leintuch-Aktion ‚Hausfrauendenkmal‘ für den öffentlichen Raum. Wieder war die Vorgabe allgemein, denn die Verwendung eines vielteiligen weißen Leintuchs ließ viele Interpretationen zu einem der intimsten, frauenspezifischen Textilien zu. Geburt, Liebe, Tod zeichnen sich ebenso darauf ab wie soziale Stellung. Das Leintuch von Pilz war mehrteilig und an einem Zipfel an einem Baum hochgezogen. […]“
Brigitte Borchardt-Birbaumer: Margot Pilz und die Zeit des feministischen Aktionismus in Wien. In: Margot Pilz: Meilensteine/Milestones. Berlin: de Gruyter 2016. S. 108.

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